Entspannter Morgen

Der Wecker klingelt, und der erste Gedanke ist: aufstehen, Kaffee, los. Doch gerade die ersten Minuten des Tages bieten eine wertvolle Gelegenheit, etwas Gutes für unser Herz zu tun. Mit einfachen Ritualen können Sie Ihren Kreislauf sanft aktivieren und den Grundstein für einen Tag voller Energie legen.

Warum der Morgen so wichtig ist

Unser Körper durchläuft im Laufe des Tages natürliche Rhythmen. Nach dem Aufwachen ist der Blutdruck oft erhöht, das Herz arbeitet intensiver, um den Körper aus dem Ruhemodus zu bringen. Studien zeigen, dass Herzinfarkte und Schlaganfälle gehäuft in den frühen Morgenstunden auftreten.

Das liegt nicht nur am natürlichen Blutdruckanstieg, sondern auch daran, wie wir in den Tag starten. Wer sofort in Hektik verfällt, setzt seinen Körper zusätzlichem Stress aus. Ein bewusster, ruhiger Start hingegen kann diese kritische Phase abmildern.

Die gute Nachricht: Sie brauchen dafür keine Stunde Zeit. Schon zehn bis fünfzehn Minuten können einen spürbaren Unterschied machen. Und das Beste: Diese Minuten sind keine verlorene Zeit, sondern ein Geschenk an sich selbst – und an Ihr Herz.

Die ersten Minuten: Sanftes Erwachen

Widerstehen Sie dem Impuls, sofort aus dem Bett zu springen. Bleiben Sie noch einen Moment liegen und geben Sie Ihrem Körper Zeit, sich auf das Wachsein einzustellen. Recken und strecken Sie sich ausgiebig – das aktiviert die Durchblutung in den Gliedmaßen und signalisiert dem Kreislauf sanft, dass es Zeit ist, hochzufahren.

Bevor Sie aufstehen, setzen Sie sich für einen Moment an die Bettkante. Diese kurze Pause verhindert einen abrupten Blutdruckabfall, der bei manchem zu Schwindel führen kann. Atmen Sie zwei-, dreimal tief durch, fühlen Sie Ihre Füße auf dem Boden.

Dieses bewusste Aufstehen mag anfangs ungewohnt sein, wenn Sie es eilig haben. Aber Sie werden merken: Diese eine Minute zusätzlich kostet Sie nichts – sie schenkt Ihnen aber einen entspannteren Start.

Wasser: Der erste Schluck für Ihr Herz

Über Nacht verliert der Körper Flüssigkeit durch Atmung und Schweiß. Das Blut wird dickflüssiger, was das Herz belastet. Ein großes Glas lauwarmes Wasser direkt nach dem Aufstehen gleicht diesen Mangel aus und unterstützt die Durchblutung.

Lauwarmes Wasser ist dabei schonender als kaltes, das den Körper zunächst fordert. Manche Menschen geben eine Scheibe Zitrone hinzu – das ist Geschmackssache und hat keinen nachgewiesenen Zusatznutzen für das Herz, schadet aber auch nicht.

Gewöhnen Sie sich an, das Wasserglas schon am Vorabend bereitzustellen. So wird das Trinken zum automatischen Teil Ihrer Morgenroutine, ohne dass Sie daran denken müssen.

Sanfte Bewegung: Den Kreislauf wecken

Nach dem Wasser folgt eine kurze Bewegungssequenz. Keine Sorge – wir sprechen nicht von anstrengendem Sport am frühen Morgen. Es geht um sanfte, fließende Bewegungen, die Ihren Kreislauf aktivieren, ohne ihn zu überfordern.

Eine einfache Übungsfolge, die sich bewährt hat:

Schulterkreisen: Stehen Sie aufrecht, die Arme hängen locker. Kreisen Sie beide Schultern gleichzeitig – erst nach hinten, dann nach vorn. Zehn Wiederholungen in jede Richtung. Diese Bewegung löst Verspannungen und fördert die Durchblutung im Oberkörper.

Sanfte Rumpfdrehung: Die Füße stehen hüftbreit, die Knie sind leicht gebeugt. Drehen Sie den Oberkörper langsam nach links, dann nach rechts, die Arme schwingen locker mit. Diese Bewegung massiert sanft die inneren Organe und aktiviert den Stoffwechsel.

Wadenheben: Stellen Sie sich auf die Zehenspitzen und senken Sie die Fersen wieder ab. Zwanzig Wiederholungen. Diese einfache Übung aktiviert die Venenpumpe in den Beinen und unterstützt den Blutrückfluss zum Herzen.

Tiefes Atmen: Zum Abschluss drei tiefe Atemzüge. Einatmen durch die Nase, der Bauch hebt sich. Ausatmen durch den leicht geöffneten Mund, länger als das Einatmen. Diese Atemtechnik aktiviert den Parasympathikus und senkt den Puls.

Die gesamte Sequenz dauert etwa fünf Minuten. Sie können sie im Schlafzimmer, im Badezimmer oder in der Küche durchführen – wo immer Sie morgens ein paar Minuten ungestört sind.

Das Frühstück: Treibstoff für den Tag

Ein herzgesundes Frühstück muss nicht aufwendig sein. Wichtig ist, dass Sie überhaupt frühstücken – viele Menschen lassen diese Mahlzeit aus Zeitgründen ausfallen und greifen dann vormittags zu ungesunden Snacks.

Gute Optionen für ein schnelles, herzfreundliches Frühstück sind Haferflocken mit frischem Obst, Vollkornbrot mit Avocado oder ein Naturjoghurt mit Nüssen und Beeren. Vermeiden Sie stark gesüßte Cerealien und weißes Brot – sie lassen den Blutzucker schnell ansteigen und wieder abfallen, was den Körper belastet.

Auch beim Kaffee gilt: Die erste Tasse sollte nicht auf nüchternen Magen getrunken werden. Trinken Sie zuerst Ihr Wasser, essen Sie etwas, und genießen Sie dann Ihren Kaffee. So vermeiden Sie einen abrupten Anstieg von Puls und Blutdruck.

Medikamente nicht vergessen

Falls Sie Medikamente für Ihr Herz-Kreislauf-System einnehmen, gehört dies fest in Ihre Morgenroutine. Viele Blutdruckmedikamente wirken am besten, wenn sie morgens eingenommen werden. Legen Sie Ihre Tabletten an einen festen Platz – neben das Wasserglas oder neben die Kaffeemaschine – damit Sie sie nicht vergessen.

Bei manchen Medikamenten ist es wichtig, sie vor oder nach dem Essen zu nehmen. Halten Sie sich an die Empfehlung Ihres Arztes und integrieren Sie die Einnahme in Ihren festen Ablauf.

Den Tag mit Absicht beginnen

Neben den körperlichen Ritualen kann auch ein mentaler Moment Teil Ihrer Morgenroutine sein. Nehmen Sie sich eine Minute Zeit, um sich auf den Tag einzustimmen. Was steht an? Worauf freuen Sie sich? Gibt es etwas, das Sie belastet?

Dieser kurze Check-in mit sich selbst hilft, den Tag bewusst zu beginnen, statt von ihm überrollt zu werden. Stress entsteht oft durch das Gefühl, keine Kontrolle zu haben. Wer seinen Tag aktiv startet, fühlt sich weniger ausgeliefert.

Manche Menschen nutzen diese Minuten für ein kurzes Dankbarkeitsritual: drei Dinge benennen, für die sie dankbar sind. Das mag simpel klingen, aber Studien zeigen, dass solche Praktiken langfristig das Wohlbefinden steigern – und weniger Stress bedeutet weniger Belastung für das Herz.

Routine aufbauen: Geduld mit sich selbst

Neue Gewohnheiten brauchen Zeit. Erwarten Sie nicht, dass Sie morgen perfekt in Ihre neue Morgenroutine starten. Beginnen Sie mit einem oder zwei Elementen – vielleicht dem Glas Wasser und der kurzen Bewegungssequenz. Wenn diese zur Gewohnheit geworden sind, können Sie weitere hinzufügen.

Es hilft, am Abend vorher schon an den nächsten Morgen zu denken. Legen Sie Ihre Sportkleidung bereit, stellen Sie das Wasserglas hin, bereiten Sie das Frühstück vor, soweit möglich. Je weniger Entscheidungen Sie morgens treffen müssen, desto leichter fällt es, der Routine zu folgen.

Und wenn es mal nicht klappt? Kein Problem. Jeder Tag ist eine neue Gelegenheit. Was zählt, ist nicht Perfektion, sondern die Richtung, in die Sie gehen.

Ihr persönlicher Morgen

Letztlich geht es darum, einen Morgen zu gestalten, der zu Ihnen passt. Nicht jede der vorgestellten Ideen wird für jeden funktionieren. Probieren Sie aus, was sich gut anfühlt, und lassen Sie weg, was nicht passt.

Das Wichtigste ist: Geben Sie sich selbst die Erlaubnis, morgens ein paar Minuten nur für sich zu haben. Diese kleine Investition in Ihre Herzgesundheit zahlt sich aus – jeden Tag aufs Neue.

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